Eine Umstellung auf vegane Ernährung kann im Falle einer Diabetes-Erkrankung zu erheblichen Verbesserungen des Blutzuckerspiegels führen. Wie eine solche Umstellung klappt und was man dabei beachten muss, erfährst du hier.

Für mich war es die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe den Schritt gewagt und meine Ernährung auf rein pflanzlich umgestellt. Die Auswirkungen sind enorm. Mein durchschnittlicher Blutzuckerwert hat sich nicht nur verbessert, er bleibt auch einigermaßen stabil, was für den Körper grundsätzlich immer weniger Stress bedeutet. Zusätzlich fühle ich mich generell fitter, ausgeglichener und wohler in meiner Haut.

Ernährungsumstellung bei Diabetes Typ 1

Aber wie funktioniert das? Eine Umstellung auf vegane Ernährung? Grundsätzlich ist es wichtig, sich über Nähr- und Mineralstoffe, Vitamine und Lebensmittel zu informieren, die auf dem Speiseplan nicht fehlen dürfen. Ich habe in der Zeit meiner Umstellung sehr viel in Magazinen und Online-Artikeln gelesen. Mich hat dabei besonders interessiert, wie ich Nahrungsmittel gezielt miteinander kombinieren kann, um den Körper optimal zu versorgen. Das Wissen um diese Kombinationen habe ich als unglaublich spannend und inspirierend empfunden!

Jeder, der sich für die vegane Ernährung interessiert, sollte sich im Voraus darüber im Klaren sein, dass manche Blutwerte im Blick behalten werden müssen. Dazu zählen Eisen, Kalzium, Jod, Proteine sowie Fettsäuren und vor allem Vitamin B12. Letzteres braucht der Körper zwar nur in geringen Mengen, jedoch hat ein Mangel fatale Folgen für den Organismus, da Vitamin B12 an der Blutbildung beteiligt ist, das Herz-Kreislauf-System schützt und für das Nervensystem unverzichtbar ist. Für Veganer, aber auch Vegetarier, empfiehlt es sich deshalb, mit Vitamin B12-Präparaten zu supplementieren, da das Vitamin nahezu ausschließlich in tierischen Produkten vorkommt. Die pflanzliche Abdeckung durch Algen erweist sich zurzeit noch als ein eher komplexes Thema, da es auf den natürlichen Anbau der Pflanzen ankommt und eine optimale Versorgung noch nicht hundertprozentig abgesichert ist.

Alle anderen Nähr- und Mineralstoffe lassen sich sehr gut mit einer rein pflanzlichen Ernährung abdecken. Gerade Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und pflanzliche Öle können den Körper mit Eisen, einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Antioxidantien versorgen. Soja und Süßkartoffel enthalten beispielsweise reichlich Kalzium, Quinoa und Hanfsamen sind exzellente Quellen für pflanzliche Proteine. Der Bedarf an Jod lässt sich mit Hilfe von jodiertem Speisesalz oder Meeresalgen decken.

Es schadet also nicht, sich im Voraus eingehend über Nahrungsmittel und ihre Inhaltsstoffe zu informieren, einschließlich der Kombinationen, die sich für eine optimale Abdeckung des Tagesbedarfs an Nährstoffen empfehlen. Grundsätzlich sollten Obst und Gemüse den größten Bestandteil der Ernährung ausmachen. Sie versorgen den Körper mit zahlreichen notwendigen Vitaminen und optimieren in vielen Fällen die Aufnahme von Mineralstoffen. Beispielsweise sollten eisenhaltige Lebensmittel immer mit Vitamin C-haltigem Gemüse oder Obst kombiniert werden, da dieses die Aufnahme von Eisen verbessert.

Die vegane Ernährungspyramide

Um eine erste Übersicht über die Nahrungsmittel zu bekommen, die bei einer veganen Ernährung vorgezogen werden sollten, lohnt sich ein Blick auf die vegane Ernährungspyramide. Der Gedanke hinter dieser Pyramide ist es, den Körper mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen zu versorgen und vermeidbaren Krankheiten dadurch vorzubeugen. Natürlich ist eine Diabetes Typ 1-Erkankung weder vermeidbar, noch heilbar. Jedoch kann sich der Verlauf der Krankheit sehr stark verbessern und der Umgang für die betroffene Person um ein vielfaches vereinfacht werden.

Wichtigster Bestandteil der veganen Ernährung ist Wasser. Mindestens 2,5 Liter sollten zur täglichen Aufnahme gehören. Dabei empfiehlt es sich, kalziumhaltiges Mineralwasser zu bevorzugen. Außerdem kann über ungesüßte Getränke wie Kräuter-, Früchte- oder Grüntee, sowie über Obst und Gemüse ebenfalls Wasser aufgenommen werden. Um den Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen abzudecken, werden mindestens drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag empfohlen. Eine Portion entspricht dabei ungefähr einer Handvoll.

Vollkornprodukte, Nudeln, Kartoffeln, Reis und weitere Getreidesorten wie Quinoa oder Amaranth und Hirse versorgen den Körper bestens mit Kohlenhydraten. Die komplexen Kohlenhydrate in diesen Produkten werden bei der Verdauung nur langsam verarbeitet, halten deswegen lange satt und sorgen für eine lange und stabile Leistungsfähigkeit. Gerade diese Kohlenhydrate sollten bei einer Diabetes-Erkrankung vorgezogen werden, da sie den Blutzucker nicht zu schnell ansteigen lassen, ihn länger stabil halten und den Körper so besser vor einer Unterzuckerung bewahren können.

Weitere Bestandteile der veganen Ernährungspyramide sind Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Sie sorgen für eine optimale, rein pflanzliche Abdeckung an Eiweiß. Beispielsweise enthalten Bohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen, Soja und Erdnüsse einen hohen Anteil an pflanzlichen Proteinen. Walnüsse, Haselnüsse, Cashewnüsse, Kürbiskerne und Sonnenblumenkerne sind ebenfalls Eiweiß- sowie besonders gut geeignete Energielieferanten.

Für die Versorgung mit essentiellen Fettsäuren, die der Körper nicht selbst produziert und die deswegen mit der Nahrung aufgenommen werden müssen, ist die Aufnahme von drei bis fünf Esslöffeln pflanzlicher Öle oder Fette am Tag sehr wichtig. Naturbelassene Pflanzenöle, wie Lein- oder Rapsöl, sollten dabei bevorzugt werden. Sie enthalten besonders viele Omega-3-Fettsäuren.

Fertigprodukte, Süßes und Alkohol sind selbstverständlich nicht Bestandteil einer gesunden Ernährung. In Maßen können sie dennoch genossen werden, was jedoch grundsätzlich die Ausnahme bilden sollte.

Noch ein paar Tipps für Diabetiker

Vor der Umstellung auf die vegane Ernährung lohnt sich ein Besuch beim Diabetologen, um die Blutwerte noch einmal kontrollieren zu lassen. Eventuell sollte sogar ein großes Blutbild gemacht werden, um neben den Zuckerwerten auch die Nähr- und Mineralstoffwerte einmal zu überprüfen. Dies empfiehlt sich grundsätzlich für jeden, der auf eine pflanzliche Ernährung umstellen möchte, um möglichen Mängeln frühzeitig vorzubeugen.

Als Typ 1-Diabetikerin habe ich zu Beginn meinen Blutzucker etwas häufiger kontrolliert. Ich habe relativ niedrige Werte gemessen und bin häufiger in eine Unterzuckerung gerutscht, sodass ich schnell meine Insulinzufuhr verringern konnte. Insgesamt hat sich mein täglicher Bedarf an Insulin etwa um ein Drittel reduziert und mein durchschnittlicher Quartalswert (Hba1C) hat sich von 8,1 auf 6,4 verbessert, was nahezu optimal ist. Inzwischen konnte ich auch die Unterzuckerungen wieder regulieren, sodass sich mein Blutzucker insgesamt stabilisiert hat.

Ich kann jedem Diabetiker die Umstellung auf eine vegane Ernährung wärmstens empfehlen. Man hat weniger mit der eigenen Krankheit zu kämpfen, muss Folgeerkrankungen nicht mehr so stark befürchten und fühlt sich insgesamt sehr viel vitaler. Zu Beginn empfiehlt sich zwar viel Wissensaneignung und zusätzlicher Aufwand in der Blutzuckerkontrolle, jedoch lohnt sich die Umstellung auf lange Sicht und mit Blick auf eine gesündere Zukunft.

Du hast Fragen oder Anregungen? Bist ebenfalls Diabetiker und hast Schwierigkeiten im Umgang mit der Krankheit? Schreib mir gerne einen Kommentar oder eine Mail. Ich freue mich über Feedback und hoffe, dass vielleicht auch dir die Umstellung auf vegane Ernährung helfen kann!

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