Beim foodsharing in Solingen werden Lebensmittel weiter gegeben, die in Supermärkten nicht verkauft wurden. Ein super Weg, Nahrungsmittel vor dem Wegschmeißen zu retten und nebenbei bares Geld zu sparen! Was steckt dahinter?

Leider werden weltweit tonnenweise Lebensmittel weggeschmissen, die eigentlich noch genießbar wären. Hinter foodsharing steckt ein Konzept, das ein Zeichen gegen Nahrungsmittelverschwendung setzen will. Seit Kurzem bin ich auch ein kleiner Teil davon.

Lebensmittel nicht einfach wegschmeißen

Der Veranstalter des foodsharings in Solingen ist Marcel. Er ist ein so genannter “foodsaver” und erzählt mir, dass es nicht darum gehe, Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen. Stattdessen dürfe jeder kommen und für sich selbst nach noch guten Lebensmitteln Ausschau halten. Egal ob jung, alt, arm oder reich. Die eigene Herkunft, der soziale Status und die Religionszugehörigkeit spielen ebenfalls keine Rolle. Ziel ist ganz einfach, Essen vor dem Wegschmeißen zu bewahren und kostbare Ressourcen zu schonen.

Auf diese Weise wurden in Solingen seit 2015 schon 14.327 Kilogramm genießbarer Nahrungsmittel vor der Tonne gerettet. Marcel holt zwei Mal pro Woche (montags und donnerstags) Obst und Gemüse von einem inhaberbetriebenen Bioladen. Was dort tagsüber nicht verkauft wurde, kann er abends mitnehmen. Anschließend bringt er die Lebensmittel zum LALELI, dem veganen Café in Solingen, dessen Räumlichkeiten er zum foodsharing nutzen darf.

Über einen E-Mail-Verteiler kann man sich jeden Montag- und Donnerstagabend von Marcel darüber informieren lassen, was er beim Bioladen bekommen hat. Der Gedanke dahinter sei, dass nur diejenigen kommen, die wirklich Verwendung für die Lebensmittel haben. Marcel setzt sich anschließend eine Stunde ins Café und wartet. Wer kommt und etwas für sich findet, kann es umsonst mitnehmen. Das ist der praktische Effekt des foodsharings: Es lohnt sich auch finanziell. Was nicht genommen wird, verwendet Marcel gerne bei gemeinsamen Kochevents im Café.

Haufenweise leckeres Gemüse und Obst

An diesem Donnerstag kommt Marcel mit viel roter Paprika, Fenchel, roter Beete, zwei Blumenkohlköpfen und einem ganzen Sack voller roter Zwiebeln ins LALELI. Außerdem hat er noch eine Tüte mit Trauben und eine mit Bohnen dabei. Joghurt, dessen Haltbarkeitsdatum schon überschritten ist, hat er an diesem Tag ebenfalls bekommen. Schließlich ist auch der noch ein paar Wochen genießbar.

Auf diese Art und Weise möchten foodsaver wie Marcel darauf aufmerksam machen, dass viele Lebensmittel weggeschmissen werden, die eigentlich noch gut sind. In der Region rund um Solingen sind es derzeit über 44 Foodsaver, die Essen “retten”. Aber auch jeder andere, der zum foodsharing kommt, kann nicht benötigte Lebensmittel von zu Hause mitbringen. Voraussetzung dafür ist nur, dass sie noch genießbar sind.

Ich bin begeistert von diesem Konzept! Vielleicht ist manches Gemüse optisch nicht mehr einwandfrei, aber in den meisten Fällen schmeckt es noch super lecker und lässt sich wie gewohnt verarbeiten. Für mich ist foodsharing somit eine echte Möglichkeit, gutes Essen nicht einfach wegzuschmeißen, bloß weil es nicht verkauft wurde. Stattdessen kann auf diese Art und Weise jeder etwas dazu beitragen, unnötige Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Es braucht keinerlei finanziellen Aufwand, tut kein bisschen weh und im Handumdrehen hat man etwas zum Umweltschutz und für die Gesellschaft beigetragen.

Mein Beutel ist an diesem Abend gefüllt mit einem Blumenkohlkopf, einer roten Paprika, zwei Fenchelknollen und ein paar roten Zwiebeln. Auf dem Weg nach Hause schmeiße ich spontan meinen Speiseplan für das nächste Wochenende um, schließlich habe ich damit meinen halben Einkauf schon erledigt. Fühlt sich irgendwie gut an, auch ein bisschen Essen zu retten.

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